Zukunftskiez Nahariyastraße - Interview mit der Koordinatorin für Bildung Martina Lilly Weinert

Martina Lilly Weinert von der Evangelischen Kirchgemeinde Lichtenrade ist Koordinatorin für Bildung für das Projekt „Zukunftskiez Nahariyastraße“.

Martina Lilly Weinert arbeitet für das Projekt „Zukunftskiez Nahariyastraße“

Beim Stadtteilfest in der Nahariya-Grundschule im Mai 2026

Lilly mit der Moderatorin des Bildungsfestes im Juni 2026 (Foto: Martina Lilly Weinert)

Brigade "Schnick Schnack" beim Bildungsfest im Juni 2026 (Foto: Martina Lilly Weinert)

Bei einem Netzwerktreffen im Gemeindezentrum Nahariyastraße (Foto: Martina Lilly Weinert)

Treffen im Begleitgremium Zukunftskiez: Mitglied ist Simon Peter, der Schulleiter der Nahariya-Grundschule (links im Bild), Foto: Martina Lilly Weinert

Mitschrift beim Treffen, Foto: Martina Lilly Weinert

Austausch der Fachgruppe Übergang (Foto: Martina Lilly Weinert)

Vision "Fotobox" (Foto: Martina Lilly Weinert)

Martina Lilly Weinert treffe ich auf dem Stadtteilfest in der Nahariya-Grundschule im Mai 2026 und in ihrem Büro im Erdgeschoss vom Gemeindezentrum Nahariyastraße der Evangelischen Kirchgemeinde Lichtenrade. Sie ist der Träger des Projektes „Zukunftskiez Nahariyastraße“ und Lilly die Koordinatorin für Bildung für dieses Projekt.

„Zukunftskieze“ heißt ein Modellprojekt...

...das auf die Verbesserung der Kooperationen für Bildung in Bezirksregionen mit besonders herausfordernden Lagen abzielt. Im Rahmen des Modellvorhabens „Zukunftskieze“ sollen bezirkliche Ideen der Strukturentwicklung, Vernetzung oder Schaffung von konkreten Angeboten für Kinder und Jugendliche zur Umsetzung gebracht werden. Von den strukturellen Veränderungen sollen die Kinder und Jugendlichen sowie deren Familien vor Ort profitieren und gute ganzheitliche Bildungserfahrungen ermöglicht werden. Dabei fließen die Erfahrungen aus der Entwicklung von Campusschulen mit ein. So lautet es auf der offiziellen Seite der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familien. Sie fördert gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen das Projekt. Berlinweit gibt es acht „Zukunftskieze“ und seit September 2025 auch einen Zukunftskiez im Nahariyakiez. Das Vorhaben wird im Bezirk durch das Jugendamt federführend gesteuert, jedoch auch - und das ist sehr positiv - in Zusammenarbeit mit weiteren Abteilungen des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg entwickelt.

Seit 2019 im Nahariyakiez

Lilly ist bereits seit 2019 im Nahariyakiez tätig. So koordinierte sie sechs Jahre lang den Bildungsverbund Lichtenrade, der 10 Jahre von 20216 bis 2025 existierte. Der Zukunftskiez baut nun auf der Arbeit des Bildungsverbunds auf. Die gebürtige Berlinerin verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Friedrichshagen und Pankow, wo sie auch jetzt lebt. Nach einer Lehre zur Schauwerbegestalterin bzw. Schaufensterdekorateurin machte Lilly auf der Abendschule das Abitur und studierte Sozialpädagogik. 14 Jahre lang war sie nach dem Abschluss als Diplom-Sozialpädagogin als Projektleiterin in der Markt- und Marketingforschung tätig. Dort hat sie viele wichtigen Kompetenzen gelernt, die ihr heute in der Arbeit als Koordinatorin für Bildung in Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Menschen und einigen Herausforderungen sehr helfen. Mit dem Sprichwort

„Ein Kind kann man nicht allein erziehen, dafür braucht es ein ganzes Dorf“

bringt Lilly den Campus-Gedanken im Projekt „Zukunftskiez“ auf den Punkt. Vorbild ist u.a. der Neuköllner „Campus Rütli“ rund um die Gemeinschaftsschule, die mit vielen Einrichtungen kooperiert und sich in Netzwerken engagiert. Die Rütlischule wurde bundesweit bekannt, als Lehrer 2006 in einem Brief an den Berliner Bildungssenator eine Lösung des Gewaltproblems an der Schule forderten. Ähnlich wie in Neukölln geht es im Zukunftskiez um die Verbesserung der Zusammenarbeit von Schulen, Kindergärten sowie den Jugendfreizeiteinrichtungen, Familienzentren und auch mit Akteuren wie den Stadtteilmüttern und den Bildungsbotschafterinnen, aber auch um die Vernetzung mit weiteren Bildungsakteuren in Lichtenrade wie Bibliothek, Volkshochschule (VHS), Familienservicebüro, Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und anderen. Gemeinsam bilden sie im Zukunftskiez ein Bildungsnetzwerk.

Vom Kindergarten zur Schule - Bildungsübergänge verbessern

Ganz konkret bedeutet dies, dass Lilly mit Fachleuten an verschiedenen Themen arbeitet, z.B. an der Verbesserung von Bildungsübergängen, wie den vom Kindergarten zur Schule, besser zu gestalten. Dazu gründete sie eine Fachgruppe, in der es z.B. darum geht, die Kinder und Eltern zusammen mit den Fachkräften ohne Überforderung im Übergang zur Schule zu begleiten und sie gut zu informieren. Weitere Aufgaben sind, dass sie die Angebote im Kiez im Blick hat und dass sie abgestimmt sind und nicht etwa mehrere Feste an einem einzelnen Tag stattfinden.

Räume sind gefragt 

Viele wissen, dass es wenig Räume für Veranstaltungen und Angebote im Kiez gibt. Trotz des vor fünf Jahren neu geschaffenen Familienzentrums Nahariyastraße und des Nachbarschaftszentrums Bornhagenweg, fehlen Räume für wichtige Bildungsangebote. Deshalb liegt ein Augenmerk von Lilly auf der Mehrfachnutzung der Räume im Kiez - ein sehr vielschichtiges Thema, genau richtig für den Zukunftskiez. Hier geht es nicht nur um Inhaltliches, sondern auch um ganz praktische Details wie die Frage, wer verantwortlich dafür ist, wenn bei einem Kurs in Räumen eines Trägers etwas kaputt geht. Wer haftet, und wer repariert den Schaden dann? 

Alle Beteiligten zusammen sind der Zukunftskiez 

Lilly stellt klar, dass sie als Person nicht der Zukunftskiez ist. Stattdessen unterstützt sie bei der Strukturentwicklung von wichtigen Bildungsthemen und die Beteiligten bei ihrer Zusammenarbeit: "Die sind das Bildungsnetzwerk Zukunftskiez!" Und wo besteht im Nahariyaviertel besonderer Bedarf?

„Nahariya braucht Sprachförderung!“

...sagt Lilly, die den Gedanken des lebenslangen Lernens wichtig findet und bereits die frühkindliche Sprachförderung im Blick hat. Es gibt z.B. ein Sprachcafé immer montags im Familienzentrum Nahariyastraße. Das wird sehr gut angenommen. Weil es mehr ist: Hier geht es nicht nur um die Sprache, sondern auch um Annäherung, Wertschätzung, auch die der Unterschiede, sowie um ein „Wir-Gefühl“ im Kiez. Wichtig dabei ist der interkulturelle Austausch, beispielsweise bei gemeinsamen christlichen Oster- und Weihnachtsfeiern genauso wie bei den islamischen Opfer- und Zuckerfesten, aktuell organisiert u.a. durch das QM Projekt „Buntes Leben im Quartier“.

Bildungsfest im Juni 2026

Mit dem Quartiersmanagement Nahariyastraße (QM) arbeitet Lilly eng zusammen. Als Netzwerkpartner stehen die Einrichtungen QM und „Zukunftskiez“ in engem Austausch. So half Lilly dem QM z.B. dabei, den Bedarf an Bewegungsangeboten im Gebiet zu ermitteln. Am 5. Juni 2026 fand im Rahmen des Zukunftskiez-Projektes ein Fest unter dem Motto „KiezErleben - Vielfalt erleben“ statt. Dabei stellten mehr als 25 Einrichtungen und Projekte aus Lichtenrade ihre Bildungsangebote mit Mitmachaktionen rund um den Marktplatz und im Garten des Kinder- und Jugendhauses vor. Ein tolles Programm gab es auch. Mehr zu diesem Bildungsfest auf hier 

Von „Kiezgesichtern" auf der Litfasssäule bis zum Buch „Menschen im Quartier“

Zu einem konkreten Wunsch befragt, äußert Lilly die Idee von „Kiezgesichtern“. Das sind Fotoporträts von hier im Viertel lebenden Leuten kombiniert mit kurzen Interviews mit ihnen. Das „Gesicht des Monats“ könnte als Plakat an der Litfasssäule auf dem Marktplatz anzusehen sein. Zum Abschluss könnte daraus eine Ausstellung verbunden mit einem kleinen Fest mit allen Porträtierten entstehen, und später vielleicht sogar ein gedrucktes Buch mit den „Menschen im Quartier“. Das fördert das Wir-Gefühl im Kiez.

Kontakt zum „Zukunftskiez Nahariyastraße“ und zur Koordinatorin für Bildung Martina Lilly Weinert:

Büro Nahariyastraße 33, EG des Gemeindezentrums Nahariyastraße, E-Mail: weinert@kg-lira.de, Tel. 0155 655 82 808

Text & Fotos, wenn nicht anders gekennzeichnet: © Gerald Backhaus 2026